AITT, Abhalten und Toilettentraining: Begriffe und Unterschiede

Kurz gesagt: Die Begriffe rund um frühe Ausscheidungsbegleitung werden nicht überall gleich verwendet. Abhalten beschreibt vor allem die konkrete Handlung. Ausscheidungskommunikation bezeichnet den umfassenderen, responsiven Umgang mit Pipi und Stuhlgang. In der Forschung findet man häufig Assisted Infant Toilet Training (AITT) oder Elimination Communication (EC). Klassisches Toilettentraining meint dagegen in der Regel den späteren Weg zur zunehmend selbstständigen Toilettennutzung.

Warum die Begriffe wichtig sind

Im Alltag werden „Abhalten“, „Windelfrei“, „Elimination Communication“, „AITT“ und „Toilettentraining“ oft nebeneinander verwendet. Für die Beratung ist das meist unproblematisch. Für die Forschung ist es aber entscheidend: Studien lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn klar ist, welche konkrete Praxis untersucht wurde.

Die aktuelle Literatur verwendet die Begriffe nicht vollständig einheitlich. Deshalb sollte man weniger auf das Etikett und stärker auf die tatsächliche Methode schauen: Wann wurde begonnen? Wie oft wurde angeboten? Orientierten sich die Betreuungspersonen an Signalen, Routinen oder festen Zeiten? Ging es um Unterstützung durch Erwachsene oder um selbstständige Toilettennutzung?

Abhalten: die konkrete Handlung

Mit Abhalten meinen wir auf diesem Portal die praktische Handlung: Ein Baby oder Kleinkind wird in einer geeigneten Position über ein Töpfchen, eine Toilette oder einen anderen passenden Auffangort gehalten, damit es dort ausscheiden kann.

Abhalten kann Teil einer umfassenden Ausscheidungskommunikation sein. Es kann aber auch ganz pragmatisch nur in bestimmten Situationen genutzt werden – zum Beispiel nach dem Aufwachen oder vor dem Baden.

Ausscheidungskommunikation: der umfassendere Ansatz

Ausscheidungskommunikation beschreibt mehr als die Position beim Ausscheiden. Gemeint ist ein responsiver Umgang mit den Ausscheidungen des Kindes. Betreuungspersonen achten auf mögliche Signale, typische Zeitpunkte und Routinen und bieten bei passenden Gelegenheiten Unterstützung an.

Dabei geht es nicht darum, dass ein Säugling schon selbstständig „sauber“ oder „trocken“ sein muss. Die Unterstützung liegt bei der Betreuungsperson.

AITT: der häufige Forschungsbegriff

In wissenschaftlichen Publikationen wird häufig der Begriff Assisted Infant Toilet Training verwendet. Eine aktuelle Fachpublikation aus dem Bereich Hebammenwissenschaft beschreibt AITT als responsive Praxis, bei der kindliche Hinweise und geeignete Zeitpunkte genutzt werden und Betreuungspersonen das Kind beim Ausscheiden unterstützen und positionieren.1

Eine globale Review aus dem Jahr 2025 verwendet AITT ebenfalls als Sammelbegriff für frühe, betreuungsgestützte Formen des Toiletings und beschreibt große kulturelle Unterschiede bei Beginn, Durchführung und Zielsetzung.2

Elimination Communication: ähnlich, aber nicht immer identisch

Elimination Communication wird häufig sehr ähnlich verwendet und ist international besonders im nichtmedizinischen Sprachgebrauch verbreitet. Je nach Autor:in kann der Begriff stärker die Kommunikation und Signale betonen, während AITT eher die betreuungsgestützte Toileting-Praxis beschreibt.

Für die wissenschaftliche Einordnung sollte man deshalb nicht voraussetzen, dass EC und AITT in jeder Publikation exakt dasselbe bedeuten. Entscheidend ist die Beschreibung der Methode.

Und was ist klassisches Toilettentraining?

Klassisches Toilettentraining beginnt meist später und richtet sich stärker auf die zunehmende Selbstständigkeit des Kindes: Bedürfnisse wahrnehmen, zurückhalten, Kleidung handhaben, Toilette oder Töpfchen benutzen und schließlich selbstständig ausscheiden.

AITT kann dagegen bereits im Säuglingsalter beginnen. Das bedeutet nicht, dass ein Säugling seine Blase oder seinen Darm willentlich so kontrolliert wie ein älteres Kind. Der zentrale Unterschied liegt darin, wer die Handlung trägt: Beim AITT unterstützt die Betreuungsperson aktiv; beim späteren Toilettentraining soll die Selbstständigkeit des Kindes wachsen.1

Ausscheidungskommunikation muss nicht „ganz oder gar nicht“ sein

Auch in der Forschung wird AITT nicht nur als Vollzeitpraxis beschrieben. In einer westlichen Langzeitbeobachtung praktizierten viele Familien AITT nur teilweise. Zwischen 45 und 53 % der Familien gaben in verschiedenen Altersabschnitten an, es in Teilzeit zu nutzen.3

Das ist für die Beratung wichtig: Eine Familie kann Ausscheidungskommunikation ausprobieren, ohne daraus ein starres Programm zu machen.

Warum Studien trotzdem schwer vergleichbar sind

Unter demselben Begriff können sehr unterschiedliche Praktiken untersucht werden. Unterschiede gibt es zum Beispiel bei:

  • dem Alter beim Beginn,
  • der Häufigkeit der Angebote,
  • der Nutzung von Signalen oder festen Zeitpunkten,
  • der Rolle von Windeln,
  • kulturellen Gewohnheiten,
  • dem Ziel der Intervention.

Deshalb ist eine Aussage wie „frühes Toilettentraining wirkt so oder so“ oft zu ungenau. Vor jeder Übertragung auf die Hebammenpraxis muss geprüft werden, was in der jeweiligen Studie tatsächlich gemacht wurde.

Was bedeutet das für die Hebammenberatung?

Für Eltern ist meist eine einfache Sprache hilfreicher als eine Debatte über Fachbegriffe. Man kann zum Beispiel erklären: „Ihr könnt eurem Baby anbieten, außerhalb der Windel auszuscheiden. Manche Familien achten dafür auf Signale oder typische Zeitpunkte. Das nennt man häufig Abhalten oder Ausscheidungskommunikation.“

Wenn über Forschung gesprochen wird, lohnt sich dagegen die genauere Unterscheidung. Denn Ergebnisse zu AITT, Elimination Communication oder späterem Toilettentraining sind nicht automatisch austauschbar.

Fazit

Abhalten ist die konkrete Handlung. Ausscheidungskommunikation beschreibt den umfassenderen responsiven Umgang mit kindlichen Ausscheidungen. AITT ist ein häufiger Forschungsbegriff für frühe, betreuungsgestützte Toileting-Praktiken. Klassisches Toilettentraining zielt dagegen stärker auf die zunehmende Selbstständigkeit des älteren Kindes. Die Übergänge zwischen den Begriffen sind nicht überall scharf – deshalb zählt in der Forschung immer die genaue Methode.


Quellen

  1. Hindmarsh C, Davis D. Assisted infant toilet training: A pathway to planetary health? Midwifery. 2026;158:104794. DOI: 10.1016/j.midw.2026.104794. PubMed. Für den Artikel wurde 2026 ein Corrigendum veröffentlicht.
  2. Hindmarsh C, Davis D, Atchan M. Assisted Infant Toilet Training and Bladder and Bowel Health: A Global Integrative Review. Matern Child Health J. 2025;29:1366–1378. DOI: 10.1007/s10995-025-04160-0. PubMed.
  3. Bender JM, Lee Y, Ryoo JH, et al. A Longitudinal Study of Assisted Infant Toilet Training During the First Year of Life. J Dev Behav Pediatr. 2021;42(8):648–655. DOI: 10.1097/DBP.0000000000000936. PubMed.

Recherche- und Prüfstand: 28. September 2026. Dieser Artikel ist evidenzgeprüft.

Evidenz & Transparenz

Wie ist dieser Artikel einzuordnen?

Evidenzlage

Aktuelle Fachliteratur und eine globale integrative Review beschreiben AITT als responsive, betreuungsgestützte Praxis, die bereits im Säuglingsalter beginnen kann. Die Terminologie variiert international. Eine longitudinale Kohorte zeigt zudem, dass AITT in westlichen Familien häufig nur teilweise praktiziert wird.

Sicherheitshinweis

Die Begriffe allein erlauben keine Aussage über gesundheitliche Wirkung oder Sicherheit. Für die Bewertung einer Studie muss immer geprüft werden, welche konkrete Praxis untersucht wurde.

Status: Evidenz geprüft•Letzte Prüfung: 28.09.2026•Nächste Prüfung: 28.09.2027