Kurz gesagt: Ausscheidungskommunikation bedeutet, die Ausscheidungen eines Babys bewusst in den Alltag einzubeziehen. Eltern oder andere Betreuungspersonen achten auf typische Zeitpunkte, Gewohnheiten und mögliche Signale und bieten dem Kind bei passenden Gelegenheiten an, außerhalb der Windel auszuscheiden. In der Forschung werden dafür unter anderem die Begriffe Assisted Infant Toilet Training (AITT) und Elimination Communication (EC) verwendet.
Was ist Ausscheidungskommunikation?
Auf diesem Fachportal verwenden wir Ausscheidungskommunikation als Oberbegriff. Gemeint ist ein responsiver Umgang mit Pipi und Stuhlgang im Säuglings- und Kleinkindalter: Betreuungspersonen beobachten das Kind und bieten ihm bei passenden Gelegenheiten Unterstützung beim Ausscheiden an.
Die konkrete Handlung nennen wir Abhalten: Das Kind wird in einer geeigneten Position über ein Töpfchen, eine Toilette oder einen anderen passenden Auffangort gehalten.
Die internationale Fachliteratur beschreibt AITT ähnlich. Dabei orientieren sich Betreuungspersonen zum Beispiel an Tageszeiten, Routinen oder möglichen Signalen des Kindes. Das unterscheidet sich von klassischem Toilettentraining, bei dem es später um die zunehmend selbstständige Toilettennutzung geht.1, 2
Abhalten ist nicht dasselbe wie Toilettentraining
Ein Säugling muss für Ausscheidungskommunikation weder „trocken“ werden noch seine Blase oder seinen Darm willentlich kontrollieren können. Entscheidend ist die Unterstützung durch die Betreuungsperson.
Das ist auch für die Forschung wichtig: Begriffe wie AITT, Elimination Communication, frühes Toileting, Abhalten oder Windelfrei werden nicht immer gleich verwendet. Deshalb muss bei jeder Studie genau geprüft werden, was tatsächlich untersucht wurde. Ergebnisse aus klassischem Toilettentraining bei älteren Kindern lassen sich nicht automatisch auf AITT im Säuglingsalter übertragen – und umgekehrt.
Zeigen Babys Ausscheidungssignale?
Ja, rund um Pipi und Stuhlgang können Veränderungen beobachtbar sein. Eine systematische Übersichtsarbeit beschreibt unter anderem Veränderungen im Gesichtsausdruck, Körperbewegungen, Grunzen oder kurzes Schreien. In einzelnen Untersuchungen wurden auch Veränderungen von Herz- oder Atemfrequenz beobachtet.3
Wichtig ist aber die Einschränkung: Nicht jedes Baby zeigt eindeutige oder zuverlässig vorhersagbare Signale. Die Forschung ist dafür bisher zu uneinheitlich. Eine kleinere Langzeitbeobachtung zeigte zwar, dass viele Eltern, die AITT bereits praktizierten, angaben, Signale ihres Kindes erkennen zu können. Diese Familien waren jedoch selbst ausgewählt und es gab keine Kontrollgruppe.4
Was sagt die Forschung zu möglichen gesundheitlichen Vorteilen?
Hier ist die Studienlage noch nicht eindeutig.
Eine Review aus dem Jahr 2025 fasste 21 Studien zu AITT zusammen. Mehrere Beobachtungsstudien fanden günstigere Zusammenhänge mit späterer Blasen- oder Darmfunktion. Die Autorinnen weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass diese Ergebnisse anfällig für Verzerrungen sind. Unterschiede zwischen den Familien, Kulturen und untersuchten Methoden können die Ergebnisse mit erklären.2
Seit 2026 gibt es außerdem eine randomisierte Studie aus Schweden. 271 Säuglinge wurden entweder einer Gruppe mit moderatem AITT oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Bis zum Alter von neun Monaten zeigte sich kein statistisch gesicherter Unterschied bei Säuglingskolik, infantiler Dyschezie und funktioneller Obstipation.5
Das bedeutet nicht, dass AITT grundsätzlich keinerlei gesundheitlichen Einfluss haben kann. Die Studie beantwortet eine engere Frage: Das dort untersuchte, moderat praktizierte AITT konnte diese Beschwerden bis zum Alter von neun Monaten nicht nachweisbar verhindern.
Was lässt sich derzeit sicher sagen?
- Ausscheidungskommunikation und AITT sind als betreuungsgestützte Praxis im Säuglingsalter wissenschaftlich beschrieben.
- Babys können rund um Ausscheidungen beobachtbare Veränderungen zeigen. Diese Signale sind aber nicht bei jedem Kind eindeutig oder zuverlässig.
- Ausscheidungskommunikation kann vollständig, teilweise oder nur in bestimmten Situationen praktiziert werden.
- Beobachtungsstudien berichten teilweise günstige Zusammenhänge mit späterer Blasen- oder Darmfunktion. Eine gesicherte Schutzwirkung ist daraus bisher nicht ableitbar.
- Die bisherige randomisierte Studie zeigt bis neun Monate keinen nachweisbaren Vorteil für die dort untersuchten funktionellen Magen-Darm-Beschwerden.
Was bedeutet das für die Hebammenberatung?
Ausscheidungskommunikation kann als optionale Form der Säuglingspflege erklärt werden. Eltern müssen weder jedes Signal erkennen noch jede Ausscheidung „erwischen“. Aus der Praxis sollte kein Leistungsziel entstehen.
Wenn Eltern Abhalten ausprobieren möchten, sind realistische Erwartungen, eine sichere Haltung des Kindes und ein druckfreier Umgang wichtiger als Perfektion. Gesundheitliche Vorteile sollten nicht versprochen werden, solange die Evidenz dafür nicht ausreicht.
Beschwerden wie starkes Pressen, Schmerzen, auffälliger Urin oder Stuhl oder ein krank wirkendes Kind müssen unabhängig von der Ausscheidungskommunikation fachlich eingeordnet werden. Abhalten ist keine diagnostische Methode und ersetzt keine medizinische Abklärung.
Fazit
Ausscheidungskommunikation ist nicht dasselbe wie frühes Toilettentraining. Es geht um eine betreuungsgestützte, responsive Begleitung von Ausscheidungen. Dass manche Babys dabei beobachtbare Signale zeigen, ist gut beschrieben. Ob AITT darüber hinaus gesundheitliche Vorteile bringt, ist bisher nicht eindeutig belegt.
Quellen
- Hindmarsh C, Davis D. Assisted infant toilet training: A pathway to planetary health? Midwifery. 2026;158:104794. DOI: 10.1016/j.midw.2026.104794. PubMed.
- Hindmarsh C, Davis D, Atchan M. Assisted Infant Toilet Training and Bladder and Bowel Health: A Global Integrative Review. Matern Child Health J. 2025;29:1366–1378. DOI: 10.1007/s10995-025-04160-0. PubMed.
- Vermandel A, Van Hall G, Van der Cruyssen K, et al. ‚Elimination signals‘ in healthy, NON toilet trained children aged 0-4 years: A systematic review. J Pediatr Urol. 2020;16(3):342–349. DOI: 10.1016/j.jpurol.2020.03.003. PubMed.
- Bender JM, Lee Y, Ryoo JH, et al. A Longitudinal Study of Assisted Infant Toilet Training During the First Year of Life. J Dev Behav Pediatr. 2021;42(8):648–655. DOI: 10.1097/DBP.0000000000000936. PubMed.
- Nilsson T, Leijon A, LoMartire R, et al. Assisted infant toilet training and the prevalence of functional gastrointestinal disorders up to the age of 9 months: a randomised, controlled trial. Arch Dis Child. 2026;111(3):238–244. DOI: 10.1136/archdischild-2025-328792. PubMed.
Recherche- und Prüfstand: 28. September 2026. Der Artikel ist evidenzgeprüft; eine externe fachliche Prüfung ist noch nicht dokumentiert.
Evidenz & Transparenz
Wie ist dieser Artikel einzuordnen?
Evidenzlage
Die Grundidee von AITT/Ausscheidungskommunikation ist in der Fachliteratur gut beschrieben. Zu Ausscheidungssignalen gibt es eine systematische Übersichtsarbeit, die jedoch eine sehr uneinheitliche Datenlage zeigt. Beobachtungsstudien berichten teilweise günstige Zusammenhänge mit späterer Blasen- und Darmfunktion. Die 2026 veröffentlichte BABITT-Studie zeigte bis zum Alter von neun Monaten keinen statistisch gesicherten Vorteil für die untersuchten funktionellen Magen-Darm-Beschwerden.
Sicherheitshinweis
Ausscheidungskommunikation ist keine diagnostische oder therapeutische Methode. Auffällige Beschwerden oder ein krank wirkendes Kind müssen unabhängig davon fachlich beziehungsweise medizinisch eingeordnet werden.